Historie des Ratskellergebäudes in Springe

1638erbaut bzw. wieder aufgebaut
1638-1912Rathaus der Stadt Springe, Gastwirtschaft, Ratskeller, Gerichtsgebäude
1912-heutediverse Privateigentümer
ab 1994im Besitz von Dorothea und Klaus Nagel
1994Restauration Gaststätte/Restaurant
2006Restauration des Festsaals

Geschichten und Geschichte

Dä Graußvader vertelle

„Up'n Ratskellersoale was softe bannig wat laus. Doa hebbet se seck eboket; doa gaff et wecke anne Köppe. Slimm wass et, wenn wecke, dä nich noah Springe hen horen, seck blicken loaten. Up'n moale reip eine, ‚weei könnt ouse Häuhner sülmst trampen‘, denn wass dä Bokereei in Gange.“ Dä Graußvoader vertelle füdder: „Eck weit et noch genaa, outgangs von Winter word eck achteihne. Et wass dä Winter 1876/77, doa kümmt Tante Minna (Schwester vom Großvater, 1854 geboren) noah Hous un brammte. Dä Hoare wören dörchenanner. Se wass ganz maraud. Dä Voader (mein Urgroßvater) froagte, ‚wat is laus wat säll dä Brammerei?‘ ‚Dä Ahrends out'n Lüttschen Felle, dä hät meck eslloa'en‘ ‚Dä hät deck esloa'en, worümme den dat?‘ ‚Weil eck mee öhne nicht danzen wolle, kreig eck links un achteihne.‘ Meine meein Voader ta meck, ‚kannst dou dat all inne Reeihge bringen?‘‚Dä Ahrends is woll en poar Joahre öller, doch däne kann eck woll bucken.‘ Eck trecke dä Steebel an und stürme noah'n Ratskeller. Doa wören se justemente an Danzen. Eck gung doa twüschen und trampe dän Ahrends up'n Faa, oaber wisse. Noun was dä Bokerei in Gange. Ass eck moal hauch keeike, doa seihe eck doch meeinen Aulen, mee'n Goahstocke in Dör stoahen. Vorr dän Urgraußvoader, hei was en Hüne von Mann, Hänne sa graut wee ne Plattschüffel, harren alle Manschetten. Lötter segge eck taan Voadern, eck solle doch dat moaken un noun kümmste dou auck noch? ‚Junge‘, meine dä Urgraußvoader, ‚dou weißt doch, dä Ratskellersoal hät twei Outgänge. Eck woll nich, datt dä Ahrends entwische‘

En anner Moal, doa kümmt en Bäckergeselle noah House stürmet un seggt taa seein Mester, dän aulen Bäckermester Adolf Halve: ‚Mester, up'n Ratskeller willt sedän Adolf („Tölle“) ant Bast. Ne ganze Horde is dat.‘ Tölle wass en Brocken von euber twei Mätern. Up jede Schulder konn dä en Mählsack vonne Möhlen noah Hous drägen. ‚Doa brouket weei ösch nich umme te kümmern. Dä kümmt doa all mee te Gänge.‘ Doa sleit dä aule Mester up'n Disch, ‚doa mott eck hen, datt mott eck seihen, wee dä mee dän ummespringet.‘ Up'n Ratskeller was en grauten Tumult. Ne graute Horde bedrängte Tölle. Dä harre seck saa en liggtgewichtigen Sneeider egreppen un heilt däne mee steeifen Arme bauben out'n Ratskellerfenster. ‚Wenn jeei nich balle moaket, datt jeei wegg kommet, dann loat eck öhne fallen‘ reip Tölle.“

Erinnerungen an den alten Ratskellersaal

Der Ratskeller war der kulturelle Mittelpunkt der Stadt. Hier wurden die Bälle der Springer Vereine gefeiert. Hier sang die Liedertafel, veranstaltete der Arbeiterverein seine Theaterarbende. 1893 wurde im Ratskeller die Schützengilde gegründet. Die prunkvollen Schützenbälle feierte man auf dem Ratskellersaal. Der Turnklub hielt hier seine Übungsabende ab. Die Fußballer hatten im Ratskeller ihr Vereinslokal. Die politischen Parteien hielten im Ratskeller ihre Versammlungen ab und lieferten sich große Redeschlachten. Der Rat der Stadt trat an diesem Ort zu seinen Sitzungen zusammen. Zur Kaiserzeit fand hier die Musterung der Wehrpflichtigen statt.

Die Katholiken kamen einst im Ratskeller zum Gottesdienst zusammen, als sie in Springe noch in einer bescheidenen Minderzahl waren. Oft genügte ein Klubzimmer. Die katholischen Familien konnte man an einer Hand abzählen. Waren jedoch auf den Domänen Springe und Dahle die Saisonarbeiter (Polen und Italiener) eingetroffen, fand sich eine größere Gemeinde im Ratskellersaal zum Gottesdienst ein. Der spätere Hildesheimer Bischof Dr. Machens, er war damals Schlosskaplan und Hauslehrer bei dem Baron von Hake in Hasperde, kam alle 14 Tage sonntags nach Springe, um den Gottesdienst abzuhalten.

In den 1950er Jahren richtete die damalige Besitzerin, Dora Meyer, im Ratskeller ein zweites Kino in Springe ein, das man aufgrund der gemütlichen Atmosphäre „Sofa- und Puschenkino“ nannte. 1960 wurde es geschlossen.

Quelle: Auszug aus Heinrich Kalisch Alte Springer Häuser erzählen ihre Geschichte, Druck- und Verlagshaus J. C. Erhard, Springe, 2004

Von den 1970ern bis 2003 fand im Ratskellersaal der Tanzschulbetrieb der Tanzschule Meyer statt. 1994 erfolgte die Komplettrestauration des Restaurants „Il vecchio Tribunale“. Nach dem Schließen der Tanzschule im Jahr 2003 begann die Planung für den Rückumbau des Tanzsaals in die ursprüngliche Form als Saal mit Tonnengewölbe. Durch Spiegel, Farbe und Licht wurde ein angenehmes und stilvolles Ambiente geschaffen.